Projekt Doris

speaker_iconIch habe vor einiger Zeit angefangen meine ganzen Kassetten digital zu überspielen und bei der Gelegenheit finde ich die ein oder andere Perle.
Kennt ihr noch diese Studio Demo Kassetten, die eine Spielzeit von 10 Minuten hatten?
Aus heutiger Sicht an sich schon kurios, aber wenn man dann mal reinhört wird es wirklich lustig!!

Die folgende Aufnahme ist 1993 in einem Kellerstudio entstanden. Den Betreiber habe ich kennengelernt, weil ich in seinem Studio für eine Rap Produktion Gitarren eingespielt hatte.
„Mach doch mal ne Single Note Gitarre….!“
Natürlich immer die selbe Tonart. Die Hooks waren alle ähnlich….
Ich konnte wirklich keine vier Stücke auseinander halten, was den Tonmann königlich amüsiert hatte.
Nach der Session hatte er mich gefragt, ob ich denn mal in seine Sachen reinhören wollte und so hatten wir uns für eine Session verabredet.

Jan F. hatte seinerzeit ein wirklich cooles Studio in dem seinerzeit viele gute Aufnahmen entstanden sind.
16 Spur analoge Bandmaschine, sehr gute Mikros, ein Mitec Pult und die beste Peripherie weit und breit: Lexikon Reverb (heisst der 2290? in jedem Fall der Gross für knapp 20.000 Mark), ein Quantec, den grossen Eventide, usw… Kann es irgendwie damit zusammenhängen, dass sein Partner hauptamtlich beim ZDF als Toningenieur gearbeitet hatte…!? ;)

Jan war dem Alkohol nicht unbedingt abgeneigt und hatte immer einen 5 Liter Plasikkanister mit Äppler vom Bauern parat. (Für nicht Hessen: Apfelwein. Jedoch hat Äppler vom Bauern mindestens doppelt so viele Umdrehungen wie etwa ein handelsübliches Fläschen Possmann.Wußte ich bis dahin auch noch nicht.)
„Haste was zu trinken da…?“ „Ja, …Äppler!!“ „OK“
Und dann dauerte es auch gar nicht lange und Jan hatte zwei trübe Weizengläser mal schnell unters Wasser gehalten und fast bis auf Anschlag gefüllt. Zur geschmacklichen Abrundung gabs jeweils einen Spritzer Limo in die trübe Brühe.
„Ich hab net soviel Limo, da müssen wir langsam machen…!“
Das war meine erste Konfrontation mit selbstgekeltertem Apfelwein und schon nach dem ersten Glas hatte ich mächtig einen sitzen.

Aber wir hatten natürlich an seinem Song gearbeitet!
Ich weiss nicht mehr wie er an die Sängerin geraten ist, aber die Tante war ziemlich durch den Wind und hatte bis dahin auch noch nie in einer Band gesungen, geschweige denn in einem Studio.
Aber aus mir unbekannten Gründen ist Jan auf die Stimme von Doris abgefahren. Und was kaputtes hatte die schon.

Die erste Session hatten wir Ideen gesammelt und ich hatte einiges mit seiner akustischen Gitarre eingespielt.
Davon sind nur die zwei Gitarren in der Strophe übrig geblieben.
In einer anderen Session habe ich noch eine getappte Bottle Neck Gitarre eingespielt, die wir gesampelt hatten, weil es unmöglich für mich war so weit oben auf dem Griffbrett mit dem Glasröhrchen richtig zu intonieren.

Dann noch die zwei funky Gitarren.
Die funky Sachen habe ich mit der Weimann Bluesbird gespielt. In einen Mesa Boogie Studio Preamp über eine Custom Endstufe.

[audio:MDMA.mp3]

Jans Drum Arrangements waren immer etwas eigenartig, aber auf den Sound von seinen Produktionen habe ich immer mächtig gestanden!
So ne Bandmaschine ist halt Rock´n´Roll und Gitarren haben dort immer sehr geil geklungen.
Die Aufnahme ist ja lediglich ein Roughmix auf eine Kassette aufgenommen!

Doris fand es übrigens beschissen: „Soll ich mir noch ne Nora Kette um den Hals hängen…!?“
Von nichts ne Ahnung, aber konnte schon zicken wie ne Diva! ;)

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